In diesem Beitrag lesen Sie zu unseren Erfahrungen mit dem G-Line Rohloff als Tourenrad, welche wir auf einer Reise in Südfrankreich gemacht haben. Er schliesst an den Beitrag Brompton G-Line mit nachgerüsteter Rohloff-Nabe vom April an, welcher der bisher meistgelesene Beitrag auf Faltradleben ist.

Auf solchem Untergrund schätzt man die 20-Zoll Räder und den stabilen Rahmen des G-Line. Mit einem 16-Zoll Brompton würde man wohl gelegentlich schieben.
Einmal mehr starten wir in Avignon, weil über Lyon mit dem TGV gut und schnell erreichbar. Von dort aus führt uns die Route über Arles, Saintes-Maries-de-la-Mer und Aigues-Mortes entlang der Küste nach Sète. Insbesondere die Etappe zum Phare de la Gacholle, ganz im Süden der Camargue, eignet sich bestens, um das Fahrverhalten, den Komfort und die Robustheit des G-Line auf schlechten Wegen zu testen.

Allerdings bereitet die Grösse des G-Line auf der Anreise Sorgen. Noch ist Reisezeit und die Züge sind voll. Insbesondere in älteren Schnellzügen gibt es zu wenig Stauraum ausser der Ablage über den Sitzen. Doch weder das G-Line noch das Birdy passen dort hinein und sind zudem zu schwer. Da ist Improvisationstalent gefragt.


Im TER Regionalzug von Genf nach Lyon findet sich noch etwas Platz in einem Gepäckfach, auch wenn die Räder von anderem Gepäck zugedeckt werden. Im TGV von Lyon nach Avignon bleibt jedoch nur die Knieraum vor dem Sitz. So wird es zwar eng, geht aber.
Zumindest beschweren sich weder der Schaffner noch die anderen Fahrgäste über unsere Räder. Trotz seiner Masse von H 67 cm x B 41 cm x T 72 cm ist das G-Line noch nicht zu gross, um keinen Platz zu finden. Zudem ist es sehr praktisch, dass die Kette und der Antrieb im gefalteten Zustand innerhalb des Rads liegen und somit Hosen, Sitze und das Gepäck anderer Passagiere nicht verschmutzen.
Fahrkomfort und Effizienz
Die Rohloff-Nabe läuft wie erwartet seidenweich und bietet dank einer Abstufung von 13,6 % von Gang zu Gang immer eine passende Übersetzung. Da die Strecke fast ausnahmslos flach verläuft, fährt man zudem meist in den effizienten Gängen 8 bis 12.
Mit einem 50er-Kettenblatt und 16er-Ritzel an der Nabe deckt der effiziente nicht übersetzte 11. Gang der Rohloff-Nabe einen Geschwindigkeitsbereich von rund 20 bis 25 km/h ab. Das ist auf Asphalt eine angenehme Reisegeschwindigkeit. Auf Kieswegen ist man mit dem zweiteffizientesten 9. Gang mit passenden 15 bis 20 km/h unterwegs.


Wenn der GPS zwischen Wasser nur einen schmalen Weg anzeigt, darf man keinen glatten Asphalt erwarten. Dank seiner 20-Zoll-Räder kommt das G-Line damit aber gut zurecht.
Die Wege zwischen den Étangs sind stellenweise sehr holprig und voller Löcher, Steine und Sandverwehungen. Die nachgerüsteten runden Schaumgriffe haben sich hier bestens bewährt. Man kann sie sicher umfassen und der Schaum dämpft die Schläge etwas. Ich bin damit auf solchen Strecken bequemer unterwegs als mit Ergogriffen.
Die massive Bauart des G-Line und das damit einhergehende hohe Gewicht sind auf solchen Wegen von Vorteil. Das Rad läuft ruhiger und trägt die zehn Kilogramm Gewicht der Fronttasche mit stoischer Ruhe. Das ist besonders hilfreich auf teilweise etwas tieferem Kies, auf dem Fahrräder gerne etwas schwimmen.

Die 17 Liter Tasche am Hauptrahmen des G-Line bewährt sich bestens. Auch auf holprigen Wegen beeinflusst sie das Fahrverhalten kaum. Nichts wackelt, nichts quietscht und kein Staub dringt in die Tasche ein.
Auf schlechten Wegen ist es wichtig, dass das Gepäck sicher und fest am Rahmen sitzt, ohne das Lenkverhalten zu beeinflussen. Das ist mit dem Adapter-System von Brompton sichergestellt. Die Gewichtslimite von 10 kg muss jedoch unbedingt eingehalten werden. Dank leichter Funktionsbekleidung ist dies auch für eine Wochentour problemlos möglich. Die geliebten Jeans müssen jedoch leider zu Hause bleiben.
Die Rohloff-Nabe ist für ihre Verlässlichkeit bekannt und läuft auf der ganzen Reise trotz Staub, Sand und Wasser einwandfrei. Sie schützt jedoch nicht vor Plattfüssen und macht den Ausbau des Hinterrades am G-Line vergleichsweise kompliziert.
Mühsame Behebung eines Plattfusses
Auf der Strecke zwischen Arles und Saintes-Maries-de-la-Mer wird das Fahrverhalten des G-Line aufgrund eines schleichenden Luftverlusts am Hinterrad zunehmend schwammiger. Nachpumpen hilft nur für fünf Kilometer. Es ist klar, dass der Schlauch repariert werden muss.
Durch die Drehmomentabstützung ist der Ausbau des Hinterrades etwas komplizierter, aber keine besondere Herausforderung: In den 14. Gang schalten, den Schaltkäfig von der Nabe abschrauben und die Drehmomentabstützung am Ausfallende lösen. Der Continental Urban Contact Reifen sitzt angenehm leicht auf der Felge und leistet wenig Widerstand.



Warum ist eigentlich immer der Hinterreifen platt? Immerhin geht der Continental Reifen gut von der Felge. Nachdem der Schlauch repariert ist, prüfen wir die Dichtigkeit der Flickstelle im nahegelegenen Bach. Den Ersatzschlauch wollen wir nicht schon beim ersten Defekt einsetzen. Schliesslich liegen noch viele Kilometer vor uns.
Der Einbau des Hinterrads ist hingegen anspruchsvoll, denn die Drehmomente der beiden Schrauben an der Achse müssen so eingestellt werden, dass das Hinterrad sicher im Rahmen sitzt, die Nabe aber nicht blockiert wird. Wir müssen mehrmals ansetzen und mit den Drehmomenten links und rechts experimentieren, bis die Kette zuverlässig läuft und das Rad sich leicht dreht. Rund eine Stunde dauert es, bis wir wieder unterwegs sind.
Unser Tipp: Üben Sie zu Hause unbedingt den Wechsel eines Schlauchs mit dem Tourenwerkzeug und nehmen Sie eine Dose Reparaturschaum mit. So können Sie kleine Löcher bis zur Heimkehr ohne Ausbau des Rades dichten.
Peace of Mind beim Reisen
Wer mit dem Faltrad reist, wirft bei der Routenplanung einen prüfenden Blick auf die Wegbeschaffenheit. Geht das noch oder wird es zur Qual? Mit dem Brompton G-Line stellt sich diesbezüglich nach ein paar Touren ein Gefühl der Gelassenheit ein, wie man es sonst nur von grossen Tourenrädern kennt.


Eine gewisse Gelassenheit ist beim Reisen hilfreich, um auch kleine Glücksmomente mitzunehmen. In einem Dorf für einen Kaffee anhalten, oder am Zielort im Abendlicht noch schnell hoch zum Château radeln, schafft schöne Erinnerungen.
Mit dem G-Line können Sie bei der Routenwahl mehr Risiko eingehen. Ein unbefestigter Waldweg oder eine längere Strecke auf Schotter sind kein Grund mehr zur Umkehr, sondern einfach Teil der Etappe. Dank der robusten Bauweise und der breit gespreizten Rohloff-Schaltung verliert steiles oder ruppiges Terrain seinen Schrecken.
Und die vielleicht wichtigste Rückversicherung im Hinterkopf: Sollte eine Etappe doch einmal zu lang werden, das Wetter umschlagen oder die Beine früher als geplant müde werden, bleibt der grosse Trumpf eines Faltrads erhalten. Trotz seiner Tourentauglichkeit lässt sich das G-Line im Notfall klein genug falten, dass es in den Stauraum eines Überlandbusses oder den Kofferraum eines Taxis passt.
Dazu kommen die konstruktiven Stärken des G-Line beim Reisen:
- Kräftige Scheibenbremsen, die auch bei Nässe und hoher Beladung verlässlich stoppen und längere Abfahrten problemlos verkraften.
- Ein für Falträder vergleichsweise langer Radstand sowie der stabilisierende Kreiseleffekt der grösseren Räder sorgen dafür, dass das G-Line auch bei höheren Geschwindigkeiten gut geradeaus läuft.
- Die Sicherheitsreserven der Rohloff-Nabe, die auch für Tandems freigegeben ist. Anmerkung: Auch die Alfine 8-Gang-Nabe gilt als verlässlich, hat aber eine deutlich geringere Spreizung von nur 307% (Rohloff 526%, damit schafft man auch länger 15%-Anstiege) , was bei längeren Anstiegen schneller ermüdet.
- Die gute Verfügbarkeit von Schläuchen und Reifen für die 20-Zoll-Räder, wie sie auch an BMX- und Kinder-Fahrrädern oft zu finden sind.
Generell kann man sagen, dass das G-Line mehr ist als ein hochskaliertes 16-Zoll-Brompton. Seine Geometrie und Ausstattung entsprechen eher denen eines ausgewachsenen Tourenrads als denen eines Faltrads, das primär für urbane Anwendungen gedacht ist.
Fazit
Unsere Erfahrungen mit dem G-Line Rohloff als Tourenrad sind durchwegs gut, denn es läuft dank der 20-Zoll-Räder auch auf naturbelassenem Untergrund gut genug, um damit längere Strecken zu fahren. Man kann mit dem G-Line bei der Routenplanung mehr Risiken eingehen, auch wenn die genaue Bodenbeschaffenheit unbekannt ist.
Damit verschafft man sich Freiheitsgrade und kommt letztlich auch zu mehr besonderen Erlebnissen. Dank der Effizienz der Rohloff-Nabe kann man zudem längere Tagesetappen planen, denn bei Bedarf kann man auf asphaltierten Strassen auch mal eine längere, ebene Strecke mit 25 km/h überbrücken.

Es lohnt sich immer, die verschmutzten Räder vor dem Transport mit der Eisenbahn zu reinigen. Das ist nicht nur eine Frage des Anstands gegenüber anderen Reisenden, sondern vermeidet auch Diskussionen mit dem Zugpersonal, wenn man keine Tasche für die Räder dabei hat.
Das im Vergleich zu den 16-Zoll-Brompton grössere Packmass und das deutlich höhere Gewicht sind bei der An- und Rückreise klare Nachteile. Ein G-Line lässt sich nicht einfach in einem Zwischenraum verstauen. Es empfiehlt sich daher mehr als Reise- denn als Pendlerrad. Dafür ist es ein richtig gutes Reiserad.
Abschliessend möchte ich erwähnen, dass sich auch das Birdy bestens bewährt hat. Besonders die Federung vorne und hinten war ein echter Komfortgewinn. Die 10-fach Kettenschaltung ist ähnlich effizient und zuverlässig wie die Rohloff-Nabe. Die 18-Zoll-Räder rollen auch gut. Es ist wirklich schade, dass Riese und Müller das Birdy aus dem Angebot nimmt.
Wer mehr zur Effizienz kleiner Räder erfahren will, und wie man auch auf einem Faltrad bequem unterwegs ist, wird in folgenden Beiträgen fündig:
- Effizient unterwegs trotz kleiner Räder: Ein Blick in die für Radfahrer relevante Physik, mit welchen Widerständen man zu kämpfen hat und wie man trotzdem erholt am Ziel ankommt.
- Sicher und bequem mit dem Faltrad unterwegs: Ein Faltrad ist auch für längere Reisen tauglich, wenn man ein paar Dinge beachtet.
Gute Reise!

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