Kein genussvolles Reisen: Ich begleite einen Freund auf seiner Fahrt von Zürich nach Alicante während zwei Tagen mit dem Rennrad von Genf nach Lyon durch das Rhonetal.

Jeweils 100 km, 1000 Höhenmeter, eine Durchschnittsgeschwindigkeit von gut 23 km/h – und natürlich ein platter Reifen. Ein passionierter Rennradfahrer mag darüber schmunzeln, mir hat die Anstrengung gereicht.
Aber darum geht es hier nicht. Das Problem ist: Ich habe die Strecke kaum wahrgenommen, keine Fotos gemacht und entsprechend wenig Erinnerungen mitgenommen. Was für ein Unterschied zu den gemächlichen Genusstouren mit unseren Falträdern.
Natürlich ging es um etwas ganz anderes: eine sportliche Herausforderung statt erholsamer Tage. Beides hat seinen Reiz und ergänzt sich hervorragend, um Abwechslung in die Freizeit zu bringen.
Trotzdem einige Gedanken zum Reiz von genussvollen Faltradreisen:
- Eine andere Einstellung führt zu vielfältigeren Erlebnissen: In einem malerischen Bauerndorf anhalten, die Strasse entlang schlendern, mit jemandem ein kurzes Gespräch führen. Dinge tun, die eine innere Ruhe erfordern – so wie man sie beim entschleunigten Reisen hat.
- Die vorbeiziehende Landschaft beflügelt das Denken: Wenn der Puls nicht bis zum Hals schlägt, bleibt genügend Kapazität, um die Gedanken kontrolliert schweifen zu lassen. So habe ich schon manches Problem einer Lösung zuführen können, wohl auch dank der sanften Anregung durch die vorbeiziehende Natur. Ähnlich wie beim Blick aus dem Fenster eines fahrenden Zuges.
- Am Zielort ist man noch fit genug, um diesen zu erkunden. Durch die geringere körperliche Belastung auf der Strecke bleiben am späten Nachmittag noch genügend Körner übrig, um etwas zu unternehmen – anstatt erschöpft auf ein Hotelbett zu sinken.
Faltradreisen eignen sich für viele Menschen hervorragend, um Stress abzubauen. Die gemütlichere Gangart, welche es erst ermöglicht, die Umgebung in einem langsameren Tempo zu geniessen, hat eine entspannende Wirkung.
Zugegeben, das sind kleine Gedanken – deshalb ist dieser Beitrag auch kurz. Ich brauche auch nicht zu erklären, warum er kaum Fotos von der Strecke enthält.

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