Reisen mit der Eisenbahn sind ökologisch sinnvoll und mit Falträdern auch unkompliziert. Einige Destinationen sind jedoch nur mit dem Flugzeug zu erreichen. Hier erfahren Sie, wie stressfreies Fliegen mit dem Faltrad geht.

Man muss keine Angst davor haben, mit einem Faltrad zu fliegen. Mit etwas Vorbereitung geht es ganz unkompliziert und gibt am Zielort viel Freiheit um mehr zu erleben.
Wichtig: E-Bikes sind in Flugzeugen verboten, da von der Batterie ein Brandrisiko mit potenziell fatalen Folgen ausgeht. Versuchen Sie daher keinesfalls, einen E-Bike-Akku in ein Flugzeug zu schmuggeln.
Ein nicht elektrisches Faltrad kann ohne zusätzliche Kosten als Passagiergepäck mitgenommen werden. Voraussetzung ist, dass ein Ticket gekauft wurde, das ein Gepäckstück von ca. 20 kg im Laderaum beinhaltet.
Oft darf dieses bis zu 23 kg wiegen, was für ein Faltrad, dessen Verpackung und etwas Kleidung ausreicht. Der Rest passt dann meist ins Kabinengepäck.
Sichere Verpackung des Faltrads
Um zu verhindern, dass das Faltrad auf der Reise beschädigt wird, muss es vor rauher Behandlung auf dem Transport geschützt werden. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten: spezielle Koffer oder Taschen / Hüllen.
Koffer bieten besseren Schutz, sind aber teurer, schwerer und sperriger als Taschen. Sie sind nur sinnvoll, wenn man sie direkt nach der Ankunft deponieren kann. Wir bevorzugen für unsere Brompton leichte Taschen, in denen wir die Räder mit einer zusätzlichen Polsterung versehen.
Eine komplette Transportverpackung, bestehend aus Tasche, Polsterung (billige Yogamatte) und Riemen, kostet etwa 100 Euro, wiegt mit einem C-Line inklusive einiger Kleider unter 20 kg und ist am Zielort leicht unterzubringen.



So kann man ein Faltrad einfach und kostengünstig für einen Flug verpacken: Pedale mit Socke schützen, eine Yogamatte als Polsterung drumherum und alles in eine modellspezifische Tasche. Ein kompaktes 16-Zoll-Brompton bleibt so ein kompaktes Gepäckstück.
Schauen wir uns das im Detail an:
- Die Räder müssen gründlich gereinigt werden, da einige Länder beim Zoll sehr genau darauf achten, ob Bakterien oder Samen eingeführt werden. Sie müssen richtig sauber sein und dürfen nicht nur „nicht dreckig” sein.
- Steckpedale abnehmen bzw. Faltpedale einklappen und sichern. Wir stülpen eine alte Socke über das Faltbedal.
- Die Klemmen (Hinge Clamps) müssen entweder vollständig festgezogen oder entfernt werden. Locker sitzende Klemmen können sich durch Vibrationen lösen oder das Gewinde bei Schlägen beschädigen.
- Den Reifendruck so weit absenken, dass sich die Räder noch schieben, aber nicht mehr fahren lassen. Es ist eine weit verbreitete Annahme, dass Reifen im Frachtraum platzen würden. Das ist nicht der Fall. Trotzdem verlangen manche Fluggesellschaften offiziell das Ablassen der Luft.
- Wir schliessen unsere Brompton mit einem leichten, gummierten Faltschloss ab. Damit gilt es versicherungstechnisch als verschlossen. Und es entstehen keine Diskussionen mit dem Sicherheitspersonal, ob ein Schloss in die Kabine darf. Wichtig: Das Schloss muss so angebracht werden, dass es auch bei rauer Behandlung den Rahmen nicht beschädigt.
- Wir befestigen die Satteltasche mit Werkzeug und Ersatzschlauch am Hauptrohr des Rahmens. Das Werkzeug muss zwingend im Laderaum verstaut werden. An der Sicherheitskontrolle wird es einem sonst abgenommen.
- Dann wickeln wir die Brompton in eine billige, leichte Yogamatte und sichern diese mit einem Gurt.
- Wir stellen es nun in eine Original-Brompton-Tasche (Tasche, nicht Hülle), verschliessen sie bis fast oben und legen dann einen Kompressionsbeutel mit Kleidern und Dingen ein, die nicht in die Kabine dürfen. So schaffen wir zusätzlichen Schutz und können ein paar Kilogramm Gepäck unterbringen. So reichen noch zwei kleine Taschen als Kabinengepäck.
- Tasche ganz verschliessen, mit einem kleinen Schloss sichern und von aussen nochmals mit einem Gurt sichern.
Zur Ortung des Fahrrads empfiehlt es sich, einen Tracker in die Tasche zu hängen. Das schützt zwar nicht vor Diebstahl, aber man kann das Fahrrad am Zielflughafen orten. Sperrgut kann schliesslich verloren gehen.
Am Flughafen
Auch wenn das Fliegen mit Falträdern meist problemlos verläuft, sollte man trotzdem etwas mehr Zeit einrechnen als bei normalem Gepäck.
Beim Einchecken muss man zunächst zum normalen Schalter gehen. Dort erhält man die Etiketten (Tags) für die Räder. Anschliessend muss man damit oft zum Sperrgut-Schalter gehen.



Das Einchecken als Passagiergepäck verläuft völlig problemlos, die beiden Fahrräder müssen jedoch als Sperrgut aufgegeben werden. Dank der Tracker können wir vor dem Abflug sehen, dass sich unsere Falter im Laderaum des Flugzeugs befinden.
Im Allgemeinen verlangen Airlines, dass man normalgrosse Fahrräder vor dem Flug anmeldet, da sie nur eine begrenzte Anzahl davon mitnehmen wollen. Das gilt zwar nicht für Falträder, aber aufgrund des herausragenden Sattels ist das Paket beim Einchecken als Fahrrad erkennbar.
Wir haben schon erlebt, dass das Personal stur dem Fahrradprozess folgt und nach einer Anmeldung fragt. Wenn eine Erklärung nicht hilft, muss man den Vorgesetzten verlangen. Im Ausland ist das oft der Stationsmanager der Airline.
Ankunft: Ein Faltrad kommt am Zielflughafen nicht immer auf dem normalen Kofferband an. Es muss dann beim Sperrgut-Ausgang abgeholt werden. Also nicht gleich nervös werden, wenn es auf dem Förderband der Gepäckausgabe nicht auftaucht.
In der Gepäcklogistik von Flughäfen wird unter Zeitdruck gearbeitet. Eine pflegliche Behandlung der Gepäckstücke darf man nicht erwarten. Darum lohnt es sich, die noch verpackten Räder auf sichtbare Beschädigungen zu prüfen und diese gegebenenfalls zu melden. Hier ist jedoch Vernunft angebracht. So ist eine Beschädigung der Yogamatte aus unserer Sicht hinzunehmen.
Unterwegs am Zielort
Gepäcktransport vor Ort: Eines unserer Kabinengepäckstücke ist die Brompton Borough WP 17 Liter Tasche. Sie ist perfekt für Wochenendausflüge am Zielort oder als Einkaufstasche geeignet. Wer kein Faltrad mit Adapter hat, kann sich auch mit einem Rucksack behelfen.
Werkzeug: Ein Multitool muss mit auf die Reise. Achten Sie auf spezielle Werkzeuge, die z.B für einen Schlauchwechsel nötig sein können. So braucht man für ein Brompton einer 15er-Gabeschlüssel. Ein kleiner Engländer kann da eine grosse Hilfe sein.
Ersatzschlauch: Da 16-Zoll-Schläuche nicht in jedem Fahrradgeschäft vorrätig sind, ist es unerlässlich, einen eigenen Ersatzschlauch dabeizuhaben. Wer 20-Zoll-Räder hat, bekommt meistens einen passenden Schlauch.
Fahradschloss: Ein hochwertiges Faltrad ist ein attraktives Objekt für Diebe und man kann es nicht immer bei sich tragen. Ein hochwertiges Schloss muss daher mit auf die Reise. Wir nutzen beide ein baugleiches, leichtes Faltschloss der mittleren Sicherheitsstufe. So können wir die Schlösser bei Bedarf auch zusammenhängen. Zudem hat jeder den Schlüssel des anderen Schlosses immer dabei.
In Museen und Restaurants kann man das Fahrrad oft an der Garderobe oder beim Empfang abgeben, anstatt es draussen anzuschliessen. Mit einem kurzen, freundlichen „Darf ich mein kompaktes Paket hier kurz unterstellen?” öffnen sich viele Türen.
Tankstellen-Adapter: Dieser winzige SV-auf-AV-Adapter (Sclaverand auf Autoventil) ist sehr leicht und ermöglicht es, an jeder Tankstelle weltweit den Reifendruck zu prüfen und die Reifen aufzupumpen, ohne sich mit einer Handpumpe abmühen zu müssen.
Navigation: Für die Navigation auf kurzen Strecken reicht ein Smartphone. Die Apps von Komoot oder Outdooractive decken fast alle Regionen ab. Auch Google- oder Apple Maps sind taugliche Tools. Es gibt für das Handy einfache, aber gut funktionierende Befestigungen aus Gummi, mit denen man es am Lenker anbringen kann. Wer es eleganter möchte, findet zahlreiche Adapterlösungen im Fachhandel.
Rechtliches und Versicherung
Dokumentation: Vor dem Verpacken des Fahrrads am Flughafen sollten Fotos vom Zustand des Fahrrads und der Verpackung angefertigt werden. Diese Dokumentation ist im Falle von Schadensersatzforderungen gegenüber der Airline von entscheidender Bedeutung.
Zusatzversicherung: Es empfiehlt sich, die Deckung der Hausratversicherung hinsichtlich „Einfachen Diebstahls auswärts“ zu überprüfen. So stellen Sie sicher, dass diese auch im Ausland greift.

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