Zahlen und Trends zum Faltradmarkt

Alle zwei Jahre veröffentlicht die SINUS Markt- und Sozialforschung GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr eine Studie zur Fahrradnutzung in Deutschland. Dabei werden über 4’000 repräsentativ ausgewählte Personen befragt.

Im April wurde der neueste Fahrradmonitor mit vielen Zahlen und Trends zum Faltradmarkt veröffentlicht. Er ermöglicht es, datenbasierte Überlegungen für ein Wachstum des Faltradmarktes anzustellen.

Nutzungszahlen

Aktuell nutzen 5 % der Radfahrenden ein Faltrad, davon 4 % ein konventionelles und 1 % ein E-Faltrad (4 % von 29 % Pedelecs). Der Faltradmarkt ist somit eindeutig ein Nischenmarkt, was auch die geringe Verfügbarkeit von Falträdern in Fahrradgeschäften belegt.

Angesichts der im Bericht genannten Wünsche und Bedürfnisse mutet die geringe Verbreitung von Falträdern jedoch seltsam an. So möchten beispielsweise 62 % der Befragten ihr Fahrrad in öffentlichen Verkehrsmitteln mitnehmen, die meisten davon finden dies jedoch zu kompliziert. Lediglich 16 % nehmen ihre Fahrräder zumindest gelegentlich mit in ein öffentliches Verkehrsmittel. 

52 % der Befragten fürchten sich ausserdem vor Fahrraddiebstahl. Damit wird die Möglichkeit, das Faltrad mit in die Wohnung zu nehmen, zu einem entscheidenden Kaufargument. Es scheint jedoch nicht zu greifen. 

Es gibt also ungenutztes Wachstumspotenzial für den Faltradmarkt. Schauen wir uns deshalb das im Bericht identifizierte Kaufinteresse genauer an.

Kaufinteresse und Marktpotential

Beim Kaufinteresse für Falträder sehen wir einen Aufwärtstrend: Lag es 2021 noch bei 3 %, sind es nun 7 %, was einer Verdopplung entspricht. Somit ist davon auszugehen, dass der Anteil der Falträder am gesamten Fahrradbestand weiter moderat steigen wird.

Zudem arbeitet die öffentliche Hand vielerorts daran, generell mehr Menschen zum Fahrradfahren zu motivieren. Wenn mehr Menschen Fahrrad fahren, wird mit dem Gesamtmarkt für Fahrräder auch der Markt für Falträder grösser.

Dies sind jedoch nur langsam wirksame Wachstumstreiber. Das grösste brachliegende Potenzial liegt in der Diskrepanz zwischen

  • Wunsch und Wirklichkeit bei der Mitnahme von Fahrrädern im öffentlichen Verkehr
  • sowie der sorgenfreien Unterbringung von Falträdern am Arbeitsplatz und zu Hause.

Es scheint, als hätten potenzielle Käufer noch nicht erkannt, dass ein Faltrad diese Probleme lösen würde. Bevor wir uns aber damit beschäftigen, wie man Käufer besser ansprechen könnte, müssen wir zunächst verstehen, wer typische Käufer sind.

Das Profil der Faltradkäufer

Der Bericht gliedert die Bevölkerung in zehn Gruppen, je nach sozialer Lage (Schicht) und Grundorientierung (konservativ vs. progressiv). Somit liegen zehn definierte Kundenprofile vor, für welche die die Daten erhoben wurden.

Wer ein Faltrad fährt

Die schlechte Nachricht gleich zu Beginn: Es gibt nicht den typischen Faltradfahrer. Sie finden sich in allen zehn Gruppen, wobei es grosse Unterschiede gibt. Die folgende Grafik spezifiziert die insgesamt 4 % Faltradfahrenden von nicht elektrischen Falträdern pro Milieu.

Übersicht der Faltradnutzung nach SINUS-Millieu

Besonders im konservativ gehobenem und im prekären Milieu gibt es überproportional viele Faltradfahrer. Diese jedoch wohl aus gänzlich anderen Gründen. Quelle: Sinus Fahrradmonitor 2025

Das ist eine Herausforderung für die Hersteller, denn sie können nicht das eine Faltrad für alle anbieten. Die kaufkräftigen Gruppen suchen nach Hightech, Status und Design (Preiskategorie ab 2’000 €), während das prekäre Milieu ein Faltrad oft aus einer Notwendigkeit heraus wählt (kleine Wohnung, kein Auto, Mitnahme im Bus) und sehr preissensibel ist. 

Wer ein Faltrad zu kaufen plant

Die folgende Tabelle zeigt, wie sich die 7% an einem Faltradkauf Interessierten Personen in die Milieus aufteilen. Mit über 10% Kaufinteresse fallen hier das Expeditive, Konsum-Hedonistische und Prekäre Milieu auf. Offensichtlich mit unterschiedlichen Ansprüchen.

Die im Bericht als „Postmaterielles Milieu” (PMA) bezeichnete Gruppe ist ein echtes Rätsel. Sie ist fahrradaffin, legt Wert auf Nachhaltigkeit und Urbanität, zeigt mit einem Kaufinteresse an Falträdern von nur 1 % jedoch den niedrigsten Wert überhaupt.  Empfinden sie das Faltrad als unästhetisch und/oder technisch unzulänglich? Quelle: Sinus Fahrradmonitor 2025

Dies erschwert es in einem ohnehin kleinen Nischenmarkt weiter, mit Falträdern profitabel zu sein. Sowohl für die Hersteller als auch für den Fachhandel. Das sehen wir auch im Alltag. Kaum ein Händler bietet ausschliesslich Falträder an. Riese & Müller hat das Birdy kürzlich aus dem Sortiment genommen und Brompton musste sein Sortiment ausweiten (20-Zoll, E-Faltrad).

Die Rolle der Hersteller und Fachhändler

Inzwischen gibt es ein grosses und vielseitiges Angebot an Falträdern in allen Preisklassen und für alle Anwendungen. Die Auswahl reicht von preiswerten Modellen von Dahon über solide Mittelklasse-Falträder von Tern bis hin zu superleichten Titan-Falträdern von Brompton, Vello und anderen. Die Hersteller haben ihre Hausaufgaben gemacht.

Schauen wir uns deshalb die Situation im Fachhandel an. Immerhin kaufen 47 % der Befragten ihr Fahrrad beim lokalen Händler. Oft sind dort jedoch keine Falträder verfügbar, sodass die Kunden das kaufen, was vorhanden ist: ein klassisches Fahrrad oder E-Bike. 

In einer grösseren Stadt gibt es vielleicht einen oder zwei Händler, die eine gewisse Auswahl an Falträdern anbieten. Alle anderen setzen auf normalgrosse Fahrräder, insbesondere E-MTBs und City-E-Bikes.

Dafür kann man dem Fachhandel jedoch keinen Vorwurf machen, denn er ignoriert Falträder aus ökonomischem Kalkül. Er verkauft das, was am meisten nachgefragt wird.

Erinnern wir uns: Dem Bericht zufolge planen nur 7 % der potenziellen Käufer die Anschaffung eines Faltrads. Demgegenüber wollen 44 % ein Pedelec und 20 % ein Mountainbike kaufen. In einem ohnehin kompetitiven Umfeld mit Überkapazitäten ist das nicht nur vernünftig, sondern überlebensnotwendig.

Damit der Fachhandel mehr Falträder anbietet, muss die Nachfrage nach diesen steigen. Sie müssten von Nischenprodukten zu oft nachgefragten Schnelldrehern werden. Dafür müssten sie aber viel stärker im Fachhandel angeboten werden.

Was nun? Wie kann man diesen Kreis durchbrechen?

Wie könnte man Falträder populärer machen?

Ein Nischenprodukt zu einer gewissen Grösse zu führen, ist eine Aufgabe, die langen Atem verlangt. Es dauert Jahre und kostet zunächst viel Geld, ohne sich ausreichend im Umsatz niederzuschlagen.

Dabei dürfen wir auch nicht vergessen, dass die meisten Faltradhersteller kleine Betriebe mit entsprechend begrenzten Ressourcen sind. Zumindest im Vergleich mit den Herstellern normalgrosser Fahrräder, die z.T. sogar eigene Rennteams haben.

Von den Fachhändlern darf man vernünftigerweise auch kein altruistisches Verhalten zugunsten einer Branche erwarten. Der Markt ist zu hart und die eigene Hebelwirkung zu gering.

Faltradleben erhebt nicht den Anspruch, den Fachleuten bei den Herstellern, Importeuren und Händlern wertvolle Handlungsanweisungen geben zu können. Darum stellen wir hier Fragen und geben keine Antworten. Vielleicht dienen sie als Dankanstoss für weiterführende Überlegungen in der Fachwelt.

  • Leistungsfähigkeit von Falträdern sichtbar machen: Warum sind sich die meisten Radfahrer der Leistungsfähigkeit von Falträdern nicht bewusst? Was könnte man tun, um diese einer breiten Masse zu vermitteln? Die Brompton World Championship sind ein gutes Beispiel, werden jedoch ausserhalb der Faltradszene kaum wahrgenommen.
  • Faltrad als Enabler positionieren: Ist ein Faltrad in erster Linie ein Fahrrad oder ein Problemlöser? Was hiesse es aus Marketingsicht, das Faltrad als Enabler zu positionieren? In diesem Fall wären typische Fahrradattribute wie Geschwindigkeit, Radgrösse oder Geometrie zweitrangig. Mit dem gleichen Modell könnten verschiedene Käuferprofile angesprochen werden.
  • Falträder am Verkehrsknotenpunkten bewerben: Wo werden Faltradbedürfnisse geweckt? Wahrscheinlich eher am Bahnhof als im Gewerbegebiet. Sind zentral gelegene Testcenter oder Pop-up-Stores ein möglicher Schritt, um Falträdern mehr Sichtbarkeit zu verschaffen? Immerhin gibt es in Ortszentren immer mehr leerstehende Ladenflächen und auch schon genügend Barber-Shops.
  • Verbandsarbeit für Falträder ausbauen: In vielen Branchen gibt es einen Verband, der firmen- und markenübergreifende Aufgaben wahrnimmt. Wie gut sind Falträder in den Verbänden der Fahrradindustrie vertreten? Fristen sie auch dort ein Nischendasein? Könnte man einen eigenen Verband gründen oder zumindest eine aktive Untergruppe schaffen?
  • Gesamtmarkt anstelle eignen Marktanteil vergrössern: Diese Frage lässt sich auch anders stellen: Wie lässt sich der eigene Absatz in einem Nischenmarkt schneller steigern? Soll man alleine um Marktanteile kämpfen oder besser gemeinsam als Branche den Markt vergrössern? Oder sollte man vielleicht das eine tun und das andere nicht lassen?
  • Mobilitätspakete schnüren: Was ist das Interesse von Kommunen und Verkehrsbetrieben, Mobilitätspakete mit Falträdern zu schnüren? Ein solches Angebot gibt es von der Deutschen Bahn und Brompton. Wie gut funktioniert dieses? Hat es Potenzial?
  • Firmen für Benefit-Programme gewinnen: Inwieweit sind sich die Verantwortlichen der Corporate-Benefit-Programme von Firmen darüber bewusst, dass die Bereitstellung von Falträdern die Anzahl am Programm interessierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhöhen könnte? Zum Beispiel von solchen, die weiter entfernt wohnen und mit dem Zug pendeln?
  • Fachhandel für Falträder gewinnen: Wie kann man mehr Fachhändler dazu bringen, Falträder anzubieten? Diese kämpfen seit Corona mit einem übersättigten Markt: Zu viele Fahrräder stehen seitdem in den Kellern. Ist das Faltrad genau das Rad, das dort noch nicht steht und häufiger genutzt würde? Zudem wollen die grossen Marken ihr Händlernetz konsolidieren um die Komplexität zu reduzieren. Wie könnte man kleine Fachhändler, die da nicht mitziehen können, zu Faltradhändlern machen? 
  • Service-Netzwerk vergrössern: Laut dem SINUS-Report legen 70 % der Radfahrer grossen Wert auf Wartung und Reparatur im Fachhandel. Gleichzeitig sind diese Umsatzbringer für den Fachhandel auf dem Post-Corona-Markt wichtiger geworden. Ergäbe es sich daraus die Möglichkeit, Fachhändler in einem ersten Schritt als Faltrad-Reparaturwerkstätten zu zertifizieren?
  • Leicht-Falträder anbieten: Die Popularität von Pedelecs könnte sich als Bremsklotz für den Faltradmarkt erweisen. Die Erfahrung zeigt, dass sich bequeme Lösungen fast immer durchsetzen. Das gilt auch für Fahrräder. Durch das zusätzliche Gewicht von Motor und Akku werden E-Falträder jedoch so schwer, dass die wichtigen Vorzüge von Falträdern verloren gehen. Aber braucht ein Pendler-Faltrad wirklich eine Reichweite von 80 km und die Kraft, um 15-prozentige Steigungen zu bewältigen?
  • Falträder cooler machen: Das postmaterielle Milieu, also gebildete, eher wohlhabende und ökologisch denkende Menschen, hat das Faltrad nicht auf dem Radar. Nur 1 % von ihnen denkt über den Kauf eines Faltrads nach, obwohl dieses viele ihrer Ansprüche abdecken würde. Welche Schlüsse kann man daraus für das Design und Marketing von Falträdern ziehen? Würden diese Menschen eher ein Faltrad kaufen, wenn es auch ein Designobjekt wäre?
  • Falträder auch als Reiseräder positionieren: Könnte man das Faltrad stärker als Reiserad positionieren? Immerhin haben 40 % der Befragten in den letzten zwei Jahren eine Radtour oder eine längere Fahrradreise gemacht. Gleichzeitig bewerten viele die Mitnahme im Fernverkehrszug als schwierig. Auf Faltradleben sind die Beiträge zu reisetauglichen Falträdern die meistgelesenen Artikel. Das Thema scheint von Interesse zu sein.

Gedanken sind jedoch noch keine Lösungen. Und keine der oben gestellten Fragen wird für sich alleine den Faltradmarkt in naher Zukunft massgeblich vergrössern.

Zwar zeigt der Fahrrad-Monitor 2025 ein Potenzial von 7 % Kaufinteresse, doch der Weg von der Absicht bis zum tatsächlichen Kauf im Fachhandel ist lang.

Um den Markt für Falträder zu vergrössern, braucht es eine Zusammenarbeit der Hersteller, einen umdenkenden Fachhandel und eine Politik, die die intermodale Mobilität endlich ernst nimmt.

Auch wir Faltradfahrer können als Faltrad-Botschafter einen Beitrag leisten und geduldig Fragen beantworten. Wer ist schon glaubwürdiger als jemand, der regelmässig mit einem Faltrad unterwegs ist und dessen Stärken und Schwächen aus eigener Erfahrung kennt?

Gerne nehmen wir hier Fragen und Anregungen entgegen.


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