Nach gut 1’500 Kilometern steht für mich fest: Das Brompton T-Line ist als Leichtgewicht ein echter Gewinn für meinen Alltag. Keines meiner anderen Fahrräder (nicht nur die Falträder) begleitet mich so oft und verschafft mir so viele schöne Momente. Sei es im Alltag in meiner Stadt oder auf Wochenendtrips.

Kaum ein anderes Fahrrad eignet sich so gut für die gemischte Mobilität wie ein leichtes, gut transportierbares Faltrad. Kein anderes Fahrrad hat man so oft mit dabei.
Das heisst jedoch nicht, dass ich es für alle Gelegenheiten einsetze. Mein Gravelbike kam auch viel zum Einsatz und für grössere Reisen nutze ich inzwischen bevorzugt das G-Line mit Rohloff-Schaltung. Darum hat das T-Line nach gut einem Jahr erst 1’500 km Laufleitung hinter sich.
Das T-Line ist nicht mein Langstrecken- oder Reiserad. Es ist mein Immer-dabei-Rad. So ist es durchaus möglich, dass es zwar nicht das Rad mit der höchsten Laufleistung ist, wohl aber jenes mit den meisten Einsätzen.
Alltags- und Pendler-Erfahrungen
Mit einem Kampfgewicht von nur rund 9 Kilogramm ist das T-Line wie geschaffen für den Stadtverkehr und zum Pendeln. Es lässt sich mühelos in einer vollen Eisenbahn mitnehmen, verschwindet unauffällig unter dem Restauranttisch, lässt sich leicht Treppen hinauf tragen und ist im Stadtverkehr deutlich wendiger als ein grosses Fahrrad.
Auch ohne Tasche hatte ich noch nie einen Fall, in dem sich jemand über das gefaltete T-Line in einem Verkehrsmittel geärgert hat. Weder das Personal noch die anderen Fahrgäste. Ich achte allerdings auch immer darauf, dass es sauber ist und im Verkehrsmittel einen möglichst geringen visuellen Fussabdruck hat.


Dank seines geringen Gewichts kann das T-Line einen durch die ganze Woche begleiten. Sei es im öffentlichen Verkehr oder beim abendlichen Ausflug in eine Gefahrenzone für teure Fahrräder. Denn man kann es immer bei sich tragen.
Die ca. 4 kg Gewichtsunterschied zu meinem C-Line machen einen deutlich grösseren Unterschied, als man vermuten würde. 4 kg auf dem Papier sind etwas ganz anderes als 4 kg am Arm. Das T-Line kann man auch mal 100 Meter tragen, ohne dass dieser abfällt. Man kann es auch leicht in einer Hand tragen um sich beispielsweise mit der anderen Hand an einem Geländer festzuhalten. Auch alte Bahnwagen mit hohem und engem Einstieg lassen sich damit leicht erklimmen.
Zudem sind die besser konstruierten Klemmen der Scharniere des T-Line schneller in der Bedienung. Bei einem einzelnen Faltvorgang spielt das keine Rolle. Auf einem Arbeitsweg mit mehreren Faltvorgängen hingegen schon.
Natürlich eignet sich auch ein C-Line zum Pendeln und hat ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis. Das T-Line ist jedoch viel angenehmer zu transportieren, man ist durch das geringe Gewicht beweglicher.
Wochenend-Trips
Wie in anderen Beiträgen bereits zu lesen ist, lassen sich auch mit 16-Zoll-Rädern gut längere Distanzen fahren. Zumindest solange man überwiegend auf asphaltierten Strassen unterwegs ist. Ich erinnere mich gerne an ein Wochenende im Tessin, welches wir kurzfristig geplant haben.
Wir waren in den Bergen. Es war grau und auf 1’500 Metern noch kalt. Wir hatten Lust auf Frühling, und das Tessin südlich der Alpen verspricht diesen schon im April. Dumm nur, dass das viele wissen. Entsprechend voll war der Postauto-Kurs auf der Bernina-Route, ebenso dessen Gepäckfächer. In solchen Momenten ist es sehr praktisch, ein leichtes Faltrad zu haben, das man über den Gepäckstapel im Laderaum heben kann.



Es gibt keinen vielseitigeren Rollenkoffer als ein T-Line mit Fronttasche. Damit reist es sich auch mit einem vollen Postbus bequem und entspannt in den Süden, um den Frühling und leckere Speisen zu geniessen.
Dieses genussvolle Wochenende war nur möglich, weil ich das T-Line sowieso dabei hatte. Für ein graues Wochenende im April in den Bergen nimmt man kaum extra ein normales Fahrrad mit. Ein kleines und leichtes T-Line hingegen kann man „just in case“ mitnehmen und ist so auch für ungeplante Abenteuer gerüstet.
Fahrkomfort
Im Grossen und Ganzen fährt sich das T-Line wie jedes andere Brompton mit 16 Zoll Rädern auch. Möglicherweise hat man dank der Carbon-Gabel und des neuen Lenkers etwas mehr Dämpfung. Studien gehen bei einer Carbon-Gabel aufgrund der vertikalen Elastizität von einer Reduktion der Schläge um ca. 10% aus. Bei der kurzen Gabel des T-Line macht sich das im Alltag jedoch kaum bemerkbar.
Zwei Modifikationen haben den Fahrkomfort für mich jedoch deutlich erhöht: ein Sattel, der im Kontakt mit der Hose nicht quietscht und eine Aussparung hat, sowie kompakte Ergogriffe.
Sattel: Der Standardsattel des T-Line ist zwar leicht, doch die plastifizierte Sattelnase hat ein hohes Nervpotenzial. Ich habe ihn deshalb durch einen Selle Italia SLR Boost Endurance Superflow ersetzt. Dieser ist ähnlich leicht, hat einen breiten Lovechannel und ist dank der Endurance-Geometrie auch auf längeren Strecken bequem.
Ergogriffe: Ich bin 185 cm gross und das T-Line gibt es aktuell nicht in einer H-Variante wie das C-Line. Entsprechend lastet mehr Körpergewicht auf meinen Händen. Die superleichten, runden Standardgriffe sind auf Dauer unbequem. Normalgrosse Ergogriffe, wirken am T-Line einfach zu gross. Die am G-Line verbauten kleineren Ergogriffe passen hingegen hervorragend.
Bei der Wahl des T-Line Modells würde ich mich jederzeit wieder für die Zwölfgang-Variante entscheiden. Auch wenn die Variante mit nur vier Gängen ein halbes Kilogramm leichter ist, reichen für meine Anwendungen die 160 % Spreizung einfach nicht aus. Wer mit dem T-Line nur in einer flachen Umgebung pendelt, kann damit wohl auch glücklich werden.
Haltbarkeit und Pflegeaufwand
Gemäss Brompton wurden am T-Line die Mehrheit der Teile neu entwickelt. Viele Modifikationen an einem bewährten Produkt sind jedoch nicht immer eine gute Nachricht. Manche erinnern sich vielleicht noch an die Probleme mit den ersten Modellgenerationen von Autos. Brompton scheint das im Griff zu haben. Bisher konnte ich beim T-Line keine relevanten Schwachstellen entdecken.
Da mir Zuverlässigkeit wichtiger war als minimales Gewicht, habe ich mich von Anfang an für weniger pannenanfällige Reifen (Continental Urban Contact) und Butyl-Schläuche entschieden. Das hat sich offenbar bewährt, denn ich hatte bisher keinen Platten.
Über die orangen TPU-Schläuche kann man sowohl Gutes als weniger Gutes lesen. Auf dem Papier haben sie viele Vorteile: sie sind sehr leicht, halten den Reifendruck lange, haben eine hohe Durchstossfestigkeit und einen kleinen Rollwiderstand. In der Praxis zeigen sich jedoch gelegentlich Qualitätsprobleme, wie zum Beispiel schneller Luftverlust oder abgerissene Ventile. Leichtbau versus Verlässlichkeit ist eine Frage der eigenen Präferenz.
Auf der rauen Titan-Oberfläche haftet mehr Schmutz an als auf einem lackierten Stahlrahmen. Ich muss das T-Line nach einem regnerischen Tag oft kurz abspritzen, damit ich es am nächsten Tag erhobenen Hauptes in einem öffentlichen Verkehrsmittel mitnehmen kann. Damit kann man jedoch gut leben. Und Titan ist schliesslich korrosionsbeständig.
Die Zwölffach-Schaltung, die es inzwischen auch beim C-Line gibt, muss präziser justiert werden als die Modelle mit nur sechs Gängen. Andernfalls springt die Kette auf der Vierfach-Kassette zwischen zwei Gängen hin und her. Auch die schleichende Kabellängung im Schaltzug macht sich immer wieder mal bemerkbar. Das lässt sich jedoch mit der Stellschraube am Vierfach-Schalthebel und etwas Erfahrung leicht korrigieren. Dies sollte jedoch im Stehen erfolgen und jeweils eine Vierteldrehung pro Mal betragen.
Ist das T-Line das Geld wert?
Das ist auch nach einem Jahr Praxiserfahrung vermutlich die schwierigste Frage, denn eine pauschale Antwort gibt es nicht. Betrachtet man allein den Preis, liegt das T-Line in einem hohen Bereich für Alltagsräder. Ungefähr dort wo auch ein hochwertig ausgestattetes E-Bike liegt, und wofür viele Radfahrer auch bereit sind, tiefer in die Tasche zu greifen.
Schauen wir uns ein paar Entscheidungskriterien an:
- Budget und Ausgabeprioritäten: Diesen Punkt nicht an die erste Stelle zu setzen, wäre arrogant. Der Preis eines T-Line kann einen oder auch zwei Monatslöhne überschreiten. Dann ist ein T-Line vermutlich die falsche Wahl. Glücklicherweise kann man auch mit preiswerteren Falträdern viel Freude haben.
- Häufigkeit der Nutzung: Wer sein Faltrad nur selten nutzt, also nicht mehrmals pro Woche auf die Leichtigkeit des T-Line angewiesen ist, kann sein Geld auch sinnvoller ausgeben. Natürlich ist das T-Line ein Schmuckstück, aber wer möchte schon ein Hipster sein?
- Mobilitätsstil: Wenn Sie den Kaufpreis stemmen können und planen, Ihr neues Faltrad häufig zu nutzen, ist dies das entscheidende Kriterium. Benötige ich ein Faltrad, das mich bei möglichst vielen Gelegenheiten durch die Woche begleitet? Will ich es oft dabei haben, selbst wenn ich es vielleicht gar nicht benötige? Wenn das der Fall ist, wählen Sie mit dem T-Line das richtige Modell. Sonst tut es auch ein C-Line oder als Kompromiss ein P-Line.
Diese Kriterien wurden bewusst im Hinblick auf die Wahl eines Brompton mit 16-Zoll-Rädern zusammengestellt. Wer nicht nur über den möglichen Kauf eines T-Line nachdenkt, sollte sich im Klaren darüber sein, was ihm an einem Faltrad generell wichtig ist: Wie weit möchte ich fahren, wie viel Transportkapazität benötige ich, möchte ich Fahreigenschaften möglich nahe an einem normalgrossen Fahrrad?
Es gibt neben den verschiedenen Brompton noch viele andere hochwertige und leistungsfähige Falträder. Ein sorgfältiger Vergleich lohnt sich, um das Faltrad zu finden, welches die eigenen Bedürfnisse möglichst gut abdeckt. Dazu finden Sie in diesem Blog folgende Beiträge und Seiten:
- Reisetaugliche Falträder: Was macht ein Faltrad zu einem guten Reiserad?
- Mythen zu Falträdern: Welche stimmen, welche sind längst überholt?
- Unbeschwert Reisen mit dem Brompton T-Line: Das T-Line kann mehr als Pendeln
- Effizient unterwegs trotz kleiner Räder: Der Einfluss der unterschiedlichen Radgrössen

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