Faltradreise am Canal de Bourgogne

Es ist wieder einmal Zeit für eine genüssliche Faltradreise. Ich habe dieses Jahr schon über 60’000 Höhenmeter und fast 5’000 Kilometer mit Mountain- und Gravelbikes zurückgelegt. Und trotzdem fehlt etwas: das genussvolle Sich-treiben-lassen, wie es mit einem Faltrad eben gut möglich ist.

Eine Faltradreise am Canal de Bourgogne in der dünn besiedelten französischen Region Burgund ist der perfekte Ort für eine genussvolle Tour. Doch wie kommt man auf die Idee, dorthin zu reisen?

Doch wohin? Wir haben nur eine Woche Zeit und wollen nicht lange an- und abreisen. Trotzdem soll es eine neue Region sein, die wir noch nicht kennen.

Mit KI eine passende Strecke finden

Bei der Suche nach einer neuen Strecke, die sich für Falträder eignet, kann KI hilfreich sein.

Man erstellt einen Prompt mit den wichtigsten Instruktionen. Dazu gehören die Anzahl der Tage, die maximale Anzahl an Stunden für die Anreise, die Länge der Tagesetappen, die maximale Anzahl an Höhenmetern pro Tag und die Präferenzen zur Landschaft. Innerhalb von Sekunden erhält man einige Vorschläge.

Anschliessend kann man diese in einem Routenplanungstool genauer analysieren: Wie verteilen sich die Höhenmeter? Wie viele Kilometer sind nicht asphaltiert? Gibt es in passenden Abständen Orte mit Übernachtungsmöglichkeiten?

Von Dijon nach Paris

Wir wählen aus den Vorschlägen die Route von Dijon nach Paris, die entlang des Canal de Bourgogne und der Yonne verläuft. Die rund 300 km und weniger als 1’000 Höhenmeter versprechen genussvolle Tagesetappen von etwa 60 km.

Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 317 km/h auf bestimmten Streckenabschnitten kommt man von Zürich aus schnell und bequem nach Dijon. Der Platz für Gepäck ist jedoch meist knapp. Es lohnt sich daher, den Aufpreis für die 1. Klasse zu zahlen, wenn man ein Faltrad und Gepäck dabei hat.

Sowohl Dijon als auch Paris sind mit einer direkten TGV-Verbindung gut an Zürich angebunden. Da die Züge jedoch recht voll sein können, lassen wir das Birdy und das Brompton G-Line zu Hause und machen uns mit unseren klein faltenden 16-Zoll-Bromptons auf den Weg.

Den Kanälen entlang kann es langweilig werden

Ein Kanal ist ein Kanal ist ein Kanal. Treidelwege entlang von Kanälen sind zwar schön flach, werden aber irgendwann langweilig, denn sie verlaufen oft ausserhalb von Ortschaften vorbei.

Auch hierbei kann KI helfen. Sie sucht die Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke heraus und listet sie für jede Tagesetappe übersichtlich auf.

Entlang der Kanäle lässt es sich hervorragend Rad fahren. Die Wege sind meist asphaltiert und für den motorisierten Verkehr gesperrt. Nach ein paar Tagen kann es jedoch langweilig werden. Deshalb lohnen sich Abstecher in nahegelegene Orte oder zu Sehenswürdigkeiten am Wegesrand.

Die Sehenswürdigkeiten an der Strecke kennt die KI. Sie empfiehlt uns den Besuch von La Grande Forge du Buffon nahe La Bussière-sur-Ouche (Ruine eines Stahlwerks aus dem 18. Jh) und den Umweg zur Burg Châteauneuf-en-Auxois. Schnell sind so aber zwei Stunden weg.

Oft liegen Orte oder Schlösser ein bis zwei Kilometer vom Kanal entfernt. Das ist zwar nicht viel, aber pro Sehenswürdigkeit kommen schnell fünf Zusatzkilometer zusammen. Meist müssen auch ein paar Höhenmeter bewältigt werden. Bei fünf Abstechern trägt das in der Summe eben doch auf.

Der Reiz der kleinen Ortschaften

Die Orte entlang der Strecke sind hübsch und authentisch. Sie sind jedoch klein und bieten nur wenig Infrastruktur. Die Hotels und Fremdenzimmer sind alle sauber, haben aber einen schlichten Charme.

In den Restaurants darf man keine gehobene Küche erwarten, dafür bekommt man jedoch lokale Gerichte zu fairen Preisen. So taucht man wunderbar in das Leben der Bevölkerung ein.

In einigen Orten gibt es nur Fremdenzimmer, die oft klein sind. Glücklicherweise finden die Falträder trotzdem immer Platz und verbringen die Nacht in Sicherheit. Das Abendessen ist eher einfach, dafür ist man aber nahe am richtigen Leben der Leute, die hier wohnen.

In den schlecht unterhaltenen Orten fühlt man sich gelegentlich wie im Mittelalter. Was für Reisende reizvoll ist, erschwert der lokalen Bevölkerung das Leben. Die Strassen sind gesäumt von dauerhaft geschlossenen Geschäften. Um die Dinge des täglichen Bedarfs zu kaufen, muss man weit fahren.

Immerhin gibt es in den vier grösseren Orten Einkaufsmöglichkeiten, was entlang der Strecke meist nicht der Fall ist. Auf den gesamten 60 Kilometern der ersten Etappe von Dijon nach Pouilly-en-Auxois gibt es weder einen Laden noch ein Restaurant. Es ist also empfehlenswert, jeden Tag vor der Abfahrt ein Picknick einzukaufen.

Die Etappen 

Wir fahren ab Dijon mit Übernachtungen in Pouilly-en-Auxois, Montbard, Tonnerre und Joigny nach Sens. Von dort aus geht es mit dem Zug weiter nach Paris. Bis kurz vor Joigny führt die Route entlang des Canal de Bourgogne, ab dann folgt man dem Fluss Yonne.

Die ganze Strecke von Dijon nach Sens ist landschaftlich schön und gut ausgebaut. Auch mit Falträdern kommt man gut vorwärts.

Fast alle Wege sind asphaltiert, sodass auf 16-Zoll-Rädern mühelos ein Tagesschnitt von 16 bis 18 km/h erreicht werden kann. Es ist immer wieder beeindruckend, wie gut sich mit Falträdern reisen lässt, wenn die Route entsprechend gewählt wird.

Die etwas gemütlichere Reisegeschwindigkeit von Falträdern erweist sich in solch praller Natur sogar als Vorteil. Man ist automatisch in einem entschleunigten Zustand. Man sieht und riecht mehr und hält öfter an.

Viel Erleben in einer Woche

Tägliche Ortswechsel bieten viele Gelegenheiten für bleibende Erinnerungen. Damit diese jedoch nicht ermüdend sind, lohnt es sich, auf einige Dinge zu achten.

Hotels vorab buchen

Wenn es am Zielort keine freien Zimmer gibt, kann man nicht einfach 30 km weiterfahren und abends irgendwo anders unterkommen. Deshalb buchen wir unsere Unterkünfte stets im Voraus. In der Regel sind die Zimmerpreise so auch günstiger als bei einer Buchung vor Ort.

In der Regel buchen wir erst eine Woche vor Abreise, da zu diesem Zeitpunkt einigermassen brauchbare Wetterprognosen vorliegen. Wenn wechselhaftes Wetter angesagt ist, man aber trotzdem losfahren möchte, ist es hilfreich, eine Route entlang einer Bahnlinie oder mit Regionalbussen zu wählen.

Leichtes Gepäck ist wichtig

Wenn man nur eine Nacht an einem Ort bleibt, ist die Infrastruktur nicht so wichtig. Einen Abend lang kann man sich immer gut unterhalten. Wichtig ist hingegen, mit leichtem Gepäck zu reisen. Dafür ist vielseitig einsetzbare Funktionskleidung (Zwiebelprinzip) sehr praktisch.

Leichtes Gepäck kommt auch den Fahreigenschaften der Falträder entgegen. Insbesondere auf dem zum Teil rauen Asphalt entlang der Kanäle, der gelegentlich auch von Wurzeln angehoben wird, muss die 10-kg-Grenze des Trägerblocks des Brompton unbedingt eingehalten werden.

Das heisst, man sollte mit maximal 9 kg losfahren, denn man braucht Reserven für Wasserflaschen, Proviant etc., die man unterwegs einkaufen wird.

Zeit für Unvorhergesehenes einplanen

Sehenswürdigkeiten wie Schlösser, Klöster und Ortschaften können vor der Abreise in die Route eingeplant werden. Ein lebendiger Wochenmarkt oder eine Panne können jedoch schnell für eine zusätzliche Stunde Reisezeit sorgen.

Eine Markthalle ist immer einen Stopp oder Umweg wert. Es ist immer wieder schön, den Menschen beim Einkauf zuzusehen und die lokalen Produkte zu studieren.

Auch am Übernachtungsort gibt es immer Dinge, für die man sich genügend Zeit nehmen sollte. Sei es nur eine Bar, von der aus man das Dorfleben beobachten kann. Wenn man schon um vier Uhr ankommt, bleibt für alles genügend Zeit.

Nun sind Sie dran

Wir hoffen, Sie mit diesem Beitrag für eine Reise mit dem Faltrad motivieren zu können. Holen Sie Ihr Faltrad aus dem Keller und planen Sie eine Reise damit. Es muss ja nicht gleich eine ganze Woche sein. Auch an einem Wochenende können Sie schon viele schöne Erlebnisse sammeln.

In den folgenden Beiträgen finden Sie weitere Gedanken und Tipps zu genussvollen Reisen mit dem Faltrad: 


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