Perfekter Kurzurlaub mit dem Faltrad

Wie kommt man an verlängerten Wochenenden wie Ostern, Auffahrt oder Pfingsten, wenn alle gängigen Destinationen hoffnungslos überlaufen sind, zu erholsamen Kurzferien, die einem trotzdem lang erscheinen? Wie gelingt ein Perfekter Kurzurlaub mit dem Faltrad?

Einen neuen Ort kennenzulernen gehört für viele zu Ferien. Ein Tapetenwechsel garantiert tatsächliche neue Erlebnisse. Damit man sich gut erholt, muss man jedoch noch einige Dinge mehr beachten.

Das sehen wir uns in diesem Beitrag anhand einer gelungenen Faltradreise über Pfingsten an. Werfen wir zunächst einen Blick auf die aktuelle Forschung und erfahren wir, wie man sich in kurzer Zeit möglichst gut erholt und wie sich diese Zeit möglichst lange anfühlt.

Was für gute Erholung wichtig ist

Aktuellen Forschungsergebnissen zufolge hängt die Erholung nicht in erster Linie von der Dauer eines Urlaubs ab, sondern von der Qualität bestimmter psychologischer Zustände (DRAMMA-Modell). Was kompliziert klingt, ist ganz einfach. Man muss nur auf die folgenden drei wichtigsten Dinge achten: 

  • Mentale Distanz, d.h. vollständig vom Alltag abschalten zu können.
  • Natur-Erlebnisse, denn sie bauen mentale Erschöpfung besonders schnell ab.
  • Selbstbestimmung, d.h. Kontrolle über die eigene Zeit zu haben.

Was die Wissenschaft sagt, wussten wir eigentlich schon: Ferien, in denen man regelmässig E-Mails beantworten muss, sind weniger erholsam. An einem plätschernden Bach entspannt man sich besser als in einer überlaufenen Metropole. Und von einer durchgetakteten Reise kommt man erschlagen und nicht erholt zurück.

Gelungene Ferien sollten auch nicht wie im Flug vergehen. Doch was muss man tun, damit auch ein Kurztrip lang erscheint?

Wie wir Menschen Zeit empfinden

Warum vergehen manche Ferien wie im Flug, während sich andere wie Wochen anfühlen? Woran macht unser Gehirn die Zeit fest?

Nach aktuellem Forschungsstand hat unser Gehirn keine eingebaute Uhr und behilft sich deshalb mit einem Trick: Es speichert erinnerungswürdige Erlebnisse als Wegpunkte durch die Zeit. Es misst die Zeit also nicht in Minuten, sondern in Erlebnissen.

Es reichen auch kleine Momente, wenn sie schöne Erinnerungen hinterlassen. Ein gelungenes Picknick, oder der Blick von einer Brück auf den Kanal. Wichtig ist aber, dass man Zeit und Musse hat, das aktiv wahrzunehmen.

Wir alle wissen, wozu das führt: Liegt man eine Woche am selben Strand, speichert das Gehirn dies als ein einziges Ereignis ab. In der Rückschau schrumpft diese Woche dann zusammen.

Wenn man hingegen an einem Wochenende an einen anderen Ort reist und dort neue Dinge erlebt, versorgt man das Gehirn permanent mit neuen, qualitativ unterschiedlichen Reizen. Schaut man nach der Heimkehr auf das Wochenende zurück, kommt es einem wie eine ganze Ferienwoche vor.

Wie man das als Faltradfahrer umsetzt

Nun kommen wir zum Praxisbeispiel: einer Faltradreise entlang des Doubs mit Ortswechseln, einer Fülle von Naturerlebnissen und frei von Stressoren. Sie bietet alles, was für eine erholsame Auszeit wichtig ist.

Einige Ortswechsel mit möglichst kurzer Anreise

Erinnern wir uns: Viele abgespeicherte Erlebnisse lassen Kurzferien lang werden. Neue Orte bieten Überraschungen und neue Erlebnisse, was das Gehirn besonders gerne abspeichert. Bekanntes hingegen wird verworfen.

Bars und Restaurant gibt es viele, doch in jedem Land sind sie anders. Eine Eckkneipe oder eine Bar, in der auf der Strasse Pastis getrunken wird, sind in Frankreich einfach anders und schaffen so auch neue und schöne Erinnerungen.

Uns ist es auf Reisen zudem wichtig, die typischen Stressfaktoren zu vermeiden. Das bedeutet: keine vollen Fernverkehrszüge, keine Flughäfen, keine Staus auf Autobahnen. Besser ist es, mit Falträdern in einem Regionalzug schon die Reise zu geniessen.

Kleine Städte mir grosser Landschaft bereisen

Von Zürich aus sind die französischen Kleinstädte Belfort, Montbéliard, Beaume-les-Dames und Besançon schnell zu erreichen. Zusammen mit der Landschaft des Doubs bieten sie alles für erholsame Kurzurlaube und sind auch bestens für Falträder geeignet.

Die Uferwege entlang des Doubs und des Rhein-Rhone-Kanals bieten viel Natur und sind für Falträder gut geeignet. Die Kleinstädte der Region sind wunderbar französisch und ermöglichen es, in eine andere Kultur einzutauchen. All das sind Zutaten für einen erholsamen Kurzurlaub.

Die Gegend ist ländlich, es gibt wenig Verkehr und viele schöne Details zu bewundern. Vorausgesetzt, man fährt nicht zu schnell an ihnen vorbei. Für Naturerlebnisse ist gesorgt und die Wege sind gut ausgebaut. Auf einer Tour von 50 bis 60 km kommen nicht mehr als 400 Höhenmeter zusammen, ohne dass es lange und steile Anstiege gibt.

Man kann die Natur viel intensiver geniessen, wenn man auf verkehrsfreien und flachen Wegen unterwegs ist. Nicht jedes Wochenende muss eine sportliche Herausforderung sein.

Wenn man mit über 20 km/h durch eine Landschaft fährt, blendet unser Gehirn den Nahbereich aus, um eine Reizüberflutung zu verhindern. Darum nimmt man auf gemächlichen Faltradwanderungen mehr Eindrücke mit, als auf einer sportlichen Tour mit dem Rennrad.

Raum für kurzfristige Umplanungen lassen

Kommen wir nun zum dritten Aspekt erholsamer Ferien: die Kontrolle über die eigene Zeit zu haben. Ein Punkt, bei dem das Faltrad seine Stärken ausspielt.

Wenn man wie im Doubstal entlang einer Bahnlinie fährt kann man jederzeit entscheiden, ob man an einem hübschen Restaurant vorbeifährt oder die Gunst der Stunde nutzt. Schliesslich kann man mit der Bahn weiterfahren.

Unterwegs erfahren wir, dass in Belfort ein Musikfestival stattfindet. Wir planen deshalb kurzfristig eine Nacht dort ein. Da wir Falträder dabei haben, muss das Hotel auch nicht unbedingt im Zentrum liegen.

Oft sind es die unerwarteten positiven Überraschungen, die zu schönen Erinnerungen führen. Dafür wäre man vielleicht nicht extra hingereist, geniesst den Zufallstreffer jedoch sehr.

Wenn wir keine Kontrolle über unsere Zeit haben (weil wir im Stau stehen, starren Zeitplänen folgen oder uns nach den Vorgaben einer Reisegruppe richten müssen), interpretiert das Gehirn dies als Bedrohung. Es schüttet dauerhaft Cortisol und Adrenalin aus.

Erst wenn das Gehirn signalisiert bekommt: „Ich kann die Situation selbst steuern“, stoppt die Stresshormon-Produktion. Selbstbestimmung ist also der biologische Ausschalter für den Stressmodus.

Fazit

Fassen zusammen, was die Zutaten für erholsame Kurzferien sind:

  • Keine Reisestress: Reisen Sie nicht zu weit, um möglichst viel Zeit am Zielort zu verbringen. Meiden Sie Hauptverkehrsachsen mit Zug oder Auto. Gestalten Sie die Reisezeit so, dass sie Teil des Erholungsprogramms ist.
  • Wirklich Abschalten: Aktivieren Sie die Abwesenheitsmeldung und erledigen Sie vor der Abreise möglichst alle belastenden Dinge. Es ist auch besser, ein Buch als ein elektronisches Gerät mitzunehmen.
  • Naturerlebnisse anstelle Metropolen: Der Mensch ist Teil der Natur. Die Evolution hat uns so programmiert, dass wir uns im Grünen besser erholen als in grauen Städten. Es gibt fast überall kleine Orte, die in die Natur eingebettet sind und viel Charme haben. Man muss sich lediglich die Zeit nehmen, auch auf Details zu achten.
  • Entscheidungsfreiheit: Planen Sie nicht jedes Detail im Voraus. Es mag Sinn machen, ein Hotelzimmer zu buchen, ein passendes Restaurant wählt man aber besser vor Ort aus. Nehmen Sie sich auch die Freiheit, kurzfristig die Route zu ändern. Mit einem Faltrad geht das fast immer irgendwie.
  • Schöne Erlebnisse sammeln: Unser Gehirn hat keine eingebaute Uhr. Es zählt Erlebnisse und macht dran die Zeit fest. Ein Urlaub wirkt umso länger, je mehr unterschiedliche Erlebnissen man zurück nach Haus nimmt.

Weiterführende Literatur

  • Das DRAMMA-Modell aus der Erholungspsychologie ist wissenschaftlich anerkannt. Es beschreibt sechs grundlegende psychologische Bedürfnisse, damit Urlaube maximale Erholung bieten. Der Beitrag in Geo listst sie in kompakter Form auf.
  • Das Buch „Zeit, der Stoff aus dem das Leben ist“ von Stefan Klein. Er beschreibt in leicht verständlicher Form, worauf man achten muss, damit die eigene Lebenszeit nicht zerrinnt.

Wer nun Lust auf eine Faltradreise bekommen hat, findet hier Tipps:


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