Wir werden immer wieder gefragt, wie viel langsamer man mit Falträdern im Vergleich zu grossen Tourenrädern unterwegs ist. Und wie viel weniger weit man damit kommt.
Nachdem wir diese Frage in unserem Beitrag „Effizient unterwegs trotz kleiner Räder“ mithilfe der Physik beantwortet haben, folgt nun ein Praxistest: Ein Vergleich von Tourenrad und Faltrad auf einer Tour in Italien.

Es sind diese Momente am Morgen beim Losfahren, die uns immer wieder zu Reisen mit unseren Falträdern veranlassen. Mit dem Gepäck am Rad loszufahren gibt ein wunderbares Gefühl von Freiheit und Unbeschwertheit.
Vor fünf Jahren haben wir die ersten drei Etappen dieser Tour mit unseren damaligen grossen Tourenrädern gemacht. Dieses Mal sind wir mit dem T-Line und dem G-Line unterwegs. Eine gute Gelegenheit also, die beiden Reiserad-Typen einem Praxisvergleich zu unterziehen.
Im Jahr 2021 waren wir mit einem Trek 920 und einem Radon Trekking-Bike unterwegs. Beide Räder waren mit Schwalbe-Marathon-Tourenreifen und Ortlieb-Taschen am Gepäckträger ausgerüstet. Das ist ein typisches Setup für damalige Radreisen.
Dieses Jahr begleiten uns ein Brompton der T- und G-Line, jeweils mit nur einer Tasche am vorderen Trägerblock. Im Vergleich zu damals reisen wir heute mit viel leichterem Gepäck.
Daher ist dies kein Vergleich unter gleichen Bedingungen. Das soll er aber auch nicht sein, denn eine Faltradreise ist nicht einfach eine Radtour mit kleineren Rädern. Sie ist eine andere, unbeschwertere Art des Radreisens.

Trotz nur einer Tasche am Frontträger bringt man 10 kg und 24 Liter Gepäck unter. Damit reist es sich im Vergleich zu zwei Taschen am hinteren Gepäckträger bei Tourenrädern recht agil.
Bei Faltradreisen steht das unbeschwerte und agile Reisen im Vordergrund. Man möchte flexibel sein und die Ausrüstung ohne übermässige Anstrengung in den zweiten Stock eines Hotels oder in alte, hohe Bahnwagen hieven können.
Schauen wir uns darum an, wie sich die Ausrüstung einer Faltradreise von jener einer herkömmlichen Radtour unterscheiden sollte.
Die Ausrüstung damals und heute
Das Trägersystem von Brompton ist auf 10 kg limitiert, und reisetaugliche Fronttaschen dafür haben ein Volumen von 17 bis 24 Litern. Mit leichter Funktionskleidung überschreitet man bei einer Wochentour weder die Gewichtslimite noch das Volumen, auch wenn man täglich frische Wäsche tragen will.
Moderne Kunstfasern sind leicht, haben ein kleines Packmass und riechen am Abend auch nicht seltsam. Trotzdem muss man sie sorgfältig auswählen und konsequent das Zwiebel-Prinzip anwenden, um auch im Herbst das gesamte Temperaturspektrum eines Tages abbilden zu können.
In unseren Packtaschen findet man darum:
- Leichte Kurzarm-Poloshirts mit Kragen (Odlo Cardada). Sie wiegen nur 160 g und sind deutlich eleganter als T-Shirts. Man kann damit am Abend auch mal in ein gepflegtes Restaurant. Das frische Shirt vom Abend wird zum Radtrikot des nächsten Tages.
- Zwei dünne Langarmjacken aus Merino-Wolle. Eine orangefarbne zum Radfahren, eine dunkelblaue für den Abend. Jacken mit Reissverschluss und keine Pullover, da variabler.
- Eine leichte Dauenweste (Kunstdaune die Feuchtigkeit verträgt).
- Ein leichter Windschutz der sehr atmungsaktiv ist.
- Eine verlässliche Regenjacke, 3/4 Regenhose und leichte Schuhüberzieher.
- Unterwäsche für eine Woche, Pyjama, Necessaire etc.
- Und natürlich Verbandszeug und Werkzeug.
Mit den Polos, der Merino-Jacke, der Weste und den beiden Windjacken lassen sich acht sinnvolle Kombinationen erstellen, mit denen sich Temperaturen von 5 bis 35 Grad abdecken lassen.
Alles passt in die Gewichts- und Volumenlimite und man hat für eine Woche täglich frische Wäsche dabei. Auf einer längeren Reise schaltet man einen Waschtag ein. Kunstfasern trocknen schliesslich schnell.
Die Anreise damals und heute
Die Anreise führte uns ab Zürich mit einer Direktverbindung nach Venedig Mestre und von dort mit einem Regionalzug nach Triest, unserem Startpunkt.
Damals waren am Wochenende die wenigen Fahrradplätze im Zug nach Venedig ausgebucht. So konnten wir erst am Montag losfahren, wodurch sich unsere Reise um zwei Tage verkürzte damit wir nur eine Ferienwoche in Anspruch nehmen mussten. Dieses Mal reisen wir am Freitag.


Mit dem Zug ist man von Zürich in sechs Stunden in Venedig. So komfortabel kann man mit dem Auto nicht reisen. In der ersten Klasse gibt es meistens genug Platz für Falträder und man kann auch relativ kurzfristig Sitzplätze buchen.
Trotz Herbstferien und kurzfristiger Buchung (wir wollten die Wetterprognose abwarten) haben wir dieses Mal noch zwei Plätze für uns gefunden und die Falträder als Gepäck mitgenommen. Ohne Anmeldung, ohne Reservierung. Es empfiehlt sich jedoch, erste Klasse zu fahren, da es dort mehr Platz für sperriges Gepäck gibt. Seltsamerweise ist der Aufpreis dafür im internationalen Verkehr erstaunlich gering.
Wir waren beide Male im Feierabendverkehr mit dem Regionalzug von Mestre nach Triest unterwegs. Die Fahrradmitnahme ist erlaubt und kostenlos, Falträder können jedoch mit zum Sitzplatz genommen werden. Man steht damit nicht zwei Stunden im Eingangsbereich.
Der Vergleich auf der Strecke
Wir sind an sechs Tagen gut 300 km unterwegs und mussten dabei nur 1’000 Höhenmeter bewältigen. Die ersten drei Etappen waren damals wie heute gleich (Triest / Grado / Caorle / Venedig), die restlichen Tage führten uns diesmal nach Padua, Bassano del Grappa und Vicenza. Das sind alles durchaus sehenswerte Orte.
Vergleichen wir nun die Fahrstatistiken, die in beiden Fällen mit GPS aufgezeichnet wurden. Die Wetterbedingungen waren sehr ähnlich: Es war sonnig, es wehte kaum Wind und es war die gleiche Jahreszeit.
Trotzdem hält der Vergleich natürlich keinen wissenschaftlichen Ansprüchen stand, denn es gibt zu viele andere Faktoren, die eine Rolle spielen (unser Alter, das Gewicht der Ausrüstung, Wind, eventuell verbesserte Radwege).
Aber wie eingangs gesagt: Eine gelungene Faltradreise ist anders konzipiert als eine traditionelle Radtour. Wir vergleichen hier zwei verschiedene Arten von Radreisen. Da darf auch das Gepäck anders sein.

Auf einer Faltradreise geht es nicht darum, Kilometer zu fressen oder Rekorde zu brechen. Es geht um das Sammeln möglichst vieler schöner Momente. Und erholt am Zielort anzukommen, um auch den Abend geniessen zu können.
Die gesamte Länge der ersten drei Tage betrug 160 Kilometer, wobei wir nur rund 450 Höhenmeter bewältigten. Mit den Brompton benötigten wir dafür 9 Stunden und 25 Minuten reine Fahrzeit, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 16,8 km/h entspricht. Mit den Tourenrädern waren wir damals mit 17,6 km/h in Bewegung, also nur knapp 5 % schneller.
Der Unterschied in der Durchschnittsgeschwindigkeit ist somit gering. Zumindest auf dieser Tour, denn sie eignet sich für Falträder:
- Die Wege sind gut ausgebaut und zu 90% asphaltiert
- Es gibt keine langen und steilen Anstiege
- Die Länge Tagesetappen erlauben ein genussvolles Reisen
Zudem war es wie gesagt windstill. Das ist nicht zu unterschätzen, denn aufgrund der aufrechten Sitzhaltung ist man auf Falträdern dem Gegenwind stärker ausgesetzt. Auf einer Umrundung der Nordküste von Schottland kämen wir wohl zu einer anderen Schlussfolgerung.
Leider können wir mangels Daten rückblickend nicht feststellen, wie ermüdet wir damals und heute am Zielort jeweils angekommen sind. Zudem sind wir inzwischen auch fünf Jahre älter.
Was wir aber feststellen können: Auch auf der Faltradreise konnten wir die Orte am Abend ausgiebig erkunden und den Abend geniessen. Also alles im grünen Bereich.
In der Summe zeigte sich somit, dass wir auf dieser Tour mit Falträdern nahezu so schnell und effizient reisen konnten wie damals mit Tourenrädern.
Wir sind jedoch vorsichtig, diese Feststellung zu verallgemeinern, denn eine genussvolle Faltradreise bedingt eine entsprechende Planung.
Die Voraussetzungen für erfolgreiche Faltradreisen sind, dass man passende Strecken mit gutem, festen Untergrund wählt, mit leichtem Gepäck reist und sich mit Tagesetappen von 50 bis 70 km zufrieden gibt.
Fazit
Mit Falträdern kann man wunderbar reisen. Zwar muss man einige Kompromisse eingehen, was den Untergrund, die Höhenmeter und die Etappenlänge betrifft, dafür reist man jedoch agiler und entspannter.
Um diese Vorteile nutzen zu können, muss man jedoch seine Einstellung zu Radreisen ändern. Es sollten keine Monster-Etappen oder Alpenpässe geplant werden und möglichst gut ausgebaute Wege mit viel Asphalt.


Es ist offensichtlich, dass man auf der Landstrasse viel besser vorwärtskommt, als auf einem Kies-Trail. Ein paar Kilometer geht auch auf 16-Zoll-Rädern, die Geschwindigkeit sinkt jedoch um rund 5 km/h.
Zudem lohnt es sich, auf leichtes Gepäck zu achten (die Jeans muss zu Hause bleiben) und jeden Tag entspannt anzugehen. Natürlich wird man so gelegentlich von anderen Radreisenden überholt, kommt aber nur wenig später am Zielort an und kann dafür umso mehr schöne Erlebnisse berichten.
Wer sich weiter mit dem Thema von Faltradreisen befassen will, findet in diesen Beiträgen Antworten:
- Effizient unterwegs trotz kleiner Räder: Die relevanten physikalten Gesetzte geben Auskunft, wie gut Falträder wirklich rollen, und worauf man auf Faltradreisen achten muss.
- Mit Brompton anstelle Tourenrad reisen: Was sind die Vor- und Nachteile von Reisen mit Falträdern?
- Kurzurlaub mit dem Faltrad: Man kann auch an einem Wochenende viele schöne Dinge erleben.
- Mythen zu Falträdern: Falträder eignen sich für vieles, aber nicht für alles. Dieser Beitrag sagt, was man von einem guten Faltrad erwarten darf.

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